Foto: Gaby Baltha, Copyright: UNS

Die Kolumne im Dezember – Zu Tisch mit – Sascha Kürten, Hausmeister der Freien evangelischen Gemeinde

Hausmeister bei der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) ist seit gut drei Jahren sein offizieller Job. Sascha Kürten ist aber auch bei vielen Menschen im Viertel bekannt, die nicht Mitglied der Gemeinde sind. Er hilft nämlich gerne unabhängig davon, ob er dazu aufgrund seines Arbeitsvertrages verpflichtet wäre.

„Immer wieder kommen Menschen zu mir, die zuhause einen undichten Wasserhahn, einen Wasserschaden oder ein anderes handwerkliches Problem haben“, erzählt er. „Wenn ich kann, helfe ich denen gerne. Wenn es bei mir nicht passt, sage ich aber auch mal Nein. Ich bin nicht der Hausmeister des ganzen Viertels.“ Dass Nein sagen manchmal notwendig ist, hat Sascha Kürten erst kürzlich schmerzlich erfahren dürfen, als er sich gezwungen sah, seine Tätigkeiten in einem Kindergarten niederzulegen. „Mir wurde plötzlich bewusst, dass ich keine Kraft mehr für diese Aufgabe habe und ich mich davon trennen muss, wenn ich nicht in ein Burnout schlittern will“, erklärt er.

Weder das Hausmeister-Sein noch die Arbeit für eine christliche Gemeinde waren Sascha Kürten in die Wiege gelegt, sondern eher eine Tätigkeit im Familienbetrieb seiner Eltern. „Ich bin stolzer Kaiserswerther“, sagt er, und man merkt, dass das auch nach vielen Jahren außerhalb seines Heimatortes immer noch seine Überzeugung ist. „Unsere Familie hat seit 1720 ein Café in der Kaiserswerther Altstadt betrieben. Das gibt es jetzt allerdings nicht mehr.“ Anstatt sich mit Plätzchen und Torten zu beschäftigen, begann Sascha eine Heizungsbauer-Lehre, die er allerdings nicht zu Ende führte. „Auch die Schule fiel mir sehr schwer, weil ich keinen Sinn darin sah“, so der heute 36-Jährige. „Inzwischen habe ich meine Mittlere Reife nachgemacht. In eineinhalb Jahren. Und danach in neun Monaten mein Fachabitur. Jetzt studiere ich in Teilzeit Soziale Arbeit. Ich werde meinen Kindern auf jeden Fall empfehlen, Schule und Ausbildung abzuschließen. Das bringt im späteren Leben viele Vorteile.“

Nach der abgebrochenen Handwerkslehre entdeckte Sascha, dass er gerne mit Menschen arbeitet und ging in den Vertrieb. Zuletzt arbeitete er erfolgreich im Außendienst bei Lindt und L`Oreal, kam aber schließlich zu der Erkenntnis, dass Verkaufen auf Dauer nicht seine Welt ist. Als er dann beim Sommerfest der evangelischen Gemeinde erfuhr, dass die Hausmeisterstelle frei wurde, griff er zu. In der Freien evangelischen Gemeinde war Sascha Kürten bereits vorher Mitglied und das nicht nur, weil er ganz in der Nähe, in der Südstraße, wohnt. „Als ich aus dem Vertrieb wegging, habe ich mich auch religiös auf die Suche gemacht“, berichtet er. „Ich habe es mit verschiedenen spirituellen Angeboten versucht. Buddhismus, Meditation, Yoga. Auch bei anderen christlichen Gemeinden bin ich gewesen. Für unsere Gemeinde habe ich mich entschieden, weil wir sehr offen sind und nicht so viel Wert auf äußere Formen und starre Regeln legen.“

Von außen auferlegte Regeln sind nämlich nicht Sascha Kürtens Ding. „Weder von meinen Eltern, noch von meinen Chefs wollte ich mir Strukturen aufzwingen lassen“, erinnert er sich. „Genauso folge ich als Christ nicht kirchlichen Regeln sondern den Lehren Jesu.“ Sein Christentum ist dem zweifachen Vater sehr wichtig. Deswegen übernimmt er in der Gemeinde auch gerne Aufgaben über das Technisch-Handwerkliche hinaus. „Nachdem die FeG die Räume des ehemaligen Malereinkaufs übernommen hat, bin ich für die Baumaßnahmen mitverantwortlich“, erklärt er. Das Schaufenster wollte ich allerdings nicht leer lassen, bis wir den Umbau abgeschlossen haben. Deswegen kümmere ich mich jetzt um die Gestaltung: Momentan hat er dort den Spruch ‚Du glaubst nicht an Gott, aber Gott glaubt an dich‘, platziert. „Ich finde, dass wir uns als Gemeinde nicht verstecken dürfen, sondern die christliche Botschaft verkünden, ohne sie dabei jemanden aufzuzwingen.“

Als Missionar wird Sascha von den Menschen im Viertel auch nicht wahrgenommen, sondern als hilfsbereiter Mensch, der oft im italienischen Café auf der Lewerentzstraße seinen Kaffee trinkt, sich in der Beetpflegegruppe engagiert und immer ein offenes Ohr für die Anliegen seiner Mitmenschen hat. Zurzeit begleitet er zum Beispiel eine indische Flüchtlingsfamilie bei ihren täglichen Herausforderungen. Dass er in der Südstadt viele Menschen kennt und viele ihn, haben wir auch bei unserem Interview festgestellt, dass wir im „Laden“ bei Jürgen neben dem Yol durchgeführt haben. Zwischen mehreren Gesprächsblöcken, Kaffee mit und ohne Milch und sehr leckerem Fisch in Safransauce kamen wir immer wieder mit anderen ins Gespräch. Wenn man Sascha Kürten in seinem Viertel erlebt, kann man sich sehr gut vorstellen, dass er einen guten Sozialarbeiter abgeben würde.

Fotos: Gaby Baltha

 

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