Foto: Sebastian Maaß, Copyright: UNS

Gute Ideen im Goldfischglas – So lief der Große Viertelsratschlag

Viele Stühle hatten die Organisatoren des Großen Viertelsratschlags im Südbahnhof aufgestellt und doch waren es zu wenige. Etwa 80 Menschen hatten schriftlich zugesagt, sich an diesem Abend über zukünftige Projekte und Ideen austauschen zu wollen, über 120 kamen schließlich am Abend des 10. März.

So hatte Projektleiter Robert Ambrée bei seiner Begrüßung allen Grund, sich zufrieden zu zeigen. Offensichtlich motiviert zeigten sich auch die Mitglieder des Viertelsrats, die sich auf der Bühne vorstellen durften: Genauso vielfältig wie deren Motive, sich für die Entwicklung des Samtweberviertels zu engagieren sind ihre Beziehungen zur Südweststadt: von Mietern des Pionierhauses über zukünftige Bewohner der Samtweberei bis zu langjährigen Stadtteilaktivisten und Mitarbeiterinnen sozialer Einrichtungen.

Der wichtigste Akt des Abends fand aber nicht auf der Bühne statt, sondern im „Goldfischglas“. „Fishbowl“ ist nämlich das englische Wort für eine spezielle Methode der Diskussionsführung, bei der die Teilnehmer um ein Innenkreis sitzen, in dem öffentlich diskutiert wird. Eine Besonderheit dieser Methode ist, dass die Mitte für jeden offen ist, der etwas zur Diskussion beitragen möchte. Und genauso ging es auch im Südbahnhof. Moderiert von Frauke Burgdorff setzten sich immer neue Menschen auf eine der freien Sitzplätze in der Mitte und brachten ihr Anliegen vor oder ihre Ideen ins Spiel.

Nach und nach stiegen sie alle ins Goldfischglas, die Viertelsaktivistinnen, Experten und Vertreter der verschiedenen sozialen und kulturellen Gruppen. Die erste Runde bildeten Viertelsratmitglied Elif Manaz, Ex-Schulrektor Hubert Fortmeier und die neue Managerin der ECKE Wasi Kragiopoulou. Nach anfänglichem Zögern wurden die Stühle im Fishbowl dann in immer kürzeren Abständen neu besetzt. Unter anderem kamen Emmaus und die evangelische Freikirche, Caritas und Diakonie, die griechische Gemeinde und ein Vertreter eines Moschee-Vereins zu Wort. Dabei zog sich die Verbundenheit mit Krefeld und der Südstadt wie ein roter Faden durch die Statements. Es wurden allerdings auch Konflikte und noch nicht gelöste Probleme sichtbar, wie der Redebeitrag des Quartiersbewohners Israfil Özdemir deutlich machte.

Im zweiten Teil des Abends ging es dann um die Besprechung konkreter Themen und Lösungsansätze. In der Gruppe „Sprache“ trafen sich dazu Menschen aus Organisationen wie Caritas und Diakonie, die sich professionell mit Migration und Integration befassen mit Bewohnern, Pionieren und anderen Interessierten. Unter der Leitung von Gudrun Tiefers-Sahafi von der Bürgerinitiative rund um St. Josef wurde darüber diskutiert, wie die Integrationsaktivitäten im Viertel verstärkt und noch besser koordiniert werden können. Ein Ergebnis der Arbeitsgruppe war, ein „Stadtteilnetzwerk Sprache“ ins Leben zu rufen, dass on- und offline über seine Aktivitäten informieren soll – unter anderem über ein Schwarzes Brett in der Ecke und an verschiedenen Orten aufgestellte Prospektständer. Als wichtig wurde angesehen, den Spracherwerb mit praktischem Tun und Freizeitaktivitäten zu verbinden.

Ein wichtiges Thema der Arbeitsgruppe „Kinder und Jugendliche“ war es, den Übergang von Schülerinnen und Schülern in das Arbeitsleben zu unterstützen. Wobei zwei zukünftige Wohnmieter der Samtweberei anboten, ihre beruflichen Erfahrungen aus dem Bildungsbereich einzubringen. Parallel dazu zeigte Monika Zurnatzis allen Interessierten den Film über die Umgestaltung der Shedhallen und erklärte das eigens dafür entwickelte Planungsspiel. Was in der Folge zu angeregten Diskussionen führte. Im Raum vor der Bühne konnte man sich über Projektideen und Viertelstunden informieren.

Den Abschluss eines gelungenen Viertelsratschlags bildete das gemeinsame Essen an einer langen Tafel quer durch den Südbahnhof. Zwei türkische Suppen, leckere Dips, Fladenbrot und frische Rohkost schmeckten den Teilnehmern sichtlich. Wer mochte konnte seinen Magen zusätzlich mit süßem Baklava füttern. In kleinen Gruppen wurde auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung weiter diskutiert. Weitgehender Konsens war, dass sich das Samtweberviertel auf einem guten Weg befindet und sich viele der Anwesenden weiter für ihre Stadt und ihre Nachbarschaft engagieren wollen.

Fotos: Sebastian Maaß

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