Das erste Kirschblütenfest - Foto: Silvia Lösche, Copyright: UNS/MUR

Frühjahrsputz mit Grillwürstchen

Das erste Kirschblütenfest des Bürgervereins Bahnbezirk auf dem Alexanderplatz ist ein voller Erfolg: Nach dem morgendlichen Frühjahrsputz versammeln sich hier Menschen aller Altersgruppen und Herkunftsländer, um die Krefelder Sonne zu genießen. Volkstänze und Dixieland-Jazz, Streuselkuchen und Grillspieße lassen die Stimmung ansteigen. Von Trommlern begleitet ziehen einige Partybegeisterte abends noch durch die Kneipen des Samtweberviertels. Wirklich eine gelungene Premiere. – Ein Bericht von Michael Otterbein

Samstagmorgen, 18. April, kurz vor Zehn. Vor dem ehemaligen Supermarkt gegenüber dem Alexanderplatz sammeln sich die Helfer. Die Sonne scheint prächtig vom Himmel, die Laune ist gut, auch wenn es noch kühl ist. Monika Zurnatzis von der Urbanen Nachbarschaft Samtweberei (UNS) erklärt die anstehenden Aufgaben: Einige Beete rund um die Straßenbäume sollen frühlingshaft bepflanzt, Rollrasen verlegt und eine Wand im Garten des Emmaus-Tagestreffs von Efeu befreit werden, damit Jugendliche sie mit Graffitis verzieren können. Und dann muss natürlich noch der Alexanderplatz gefegt und für das anstehende Kirschblütenfest vorbereitet werden.

Die Gruppe der freiwilligen Gartenhelfer ist sehr gemischt: Da sind sowohl Menschen aus dem Viertel als auch Pioniere und Mitarbeiter der UNS am Samstag früh aus dem Bett gestiegen. Monika Friebe zum Beispiel wohnt am Alexanderplatz und freut sich, bei der Vorbereitung des Festes mithelfen zu können. Israfil Özdemir, der nur zwei Häuser weiter lebt, möchte mithelfen, die Blumenbeete zu verschönern. Pionierhaus-Mieter Markus Schlothmann, der als Landschaftsarchitekt für die Aufgabe quasi prädestiniert ist, bringt seine Arbeitskraft und seinen Kontakt zur Stadtgärtnerei Diamant aus Duisburg-Rumeln ein, die zusammen mit der Krefelder Gärtnerei Kronenberg einen Teil der Pflanzen gespendet hat. Nach einer Viertelstunde sind die Aufgaben verteilt und es geht an die Arbeit.

Zwei Stunden später ist die Arbeit schon fast getan. Vor der Samtweberei blühen die Frühlingsblumen in leuchtenden Farben. Viele große und kleine Helfer haben hier ganze Arbeit geleistet. Auch die Efeu-Bekämpfung hat Fortschritte gemacht. Patrick aus dem Emmaus-Team hatte in schwindelnder Höhe auf der Leiter gestanden und sich wie Tarzan durch den Lianen-Dschungel gekämpft. Währenddessen ist der Rollrasen (kein Kunststoff, alles Natur) an der Lewerentzstraße verlegt. An einer Biertischgarnitur sitzen hier jetzt die fleißigen Gartenhelfer und genießen ein zweites Frühstück. Auf dem Alexanderplatz herrscht dagegen weiter emsige Betriebsamkeit. Immobilienentwickler Frank Schneewind schwingt engagiert den Besen. Er bemängelt allerdings, dass zu viele Beobachter und Fotografen und zu wenige echte Arbeiter vor Ort sind.

Am frühen Nachmittag hat die Sonne an Kraft gewonnen und wärmt die zunehmende Besucherschar. Es ist geschafft! Die Nachbarschaft rund um den Alexanderplatz glänzt im Frühjahrskleid. Alle Feststände sind fertig und schon zieht den Besuchern erster Grillduft in die Nase. Passend zum multikulturellen Samtweberviertel gibt es Griechisches, Türkisches und Italienisches zu Essen und eine deutsche Goulaschsuppe. Neben den kulinarischen Angeboten gibt es einen Stand des Bürgervereins Bahnbezirk, Claudia Reichs „Handarbeit“-Projektgruppe lässt ihre Wollknäuel spielen und die erste Ausgabe der neuen Stadtteilzeitung „Die Samtweber“ wird verteilt. Währenddessen ist auch die Bühne zum Leben erwacht. Andreas Stomps vom Bürgerverein begrüßt die Besucher und kündigt die erste Kulturvorführung an: Tänzer der Kulturvereins „Akder“ von der türkischen Schwarzmeerküste. Zuerst etwas vorsichtig und dann immer schwungvoller legen sich die jungen Männer ins Zeug. Die Arme auf den Schultern des jeweiligen Nachbarn präsentieren sie ihre Schritte. Nach einer Weile hält es eine Frau aus der Zuschauermenge nicht mehr aus und reiht sich in die Tänzerriege ein. Bereits nach wenigen Takten wird es ihr zu warm und sie wirft ihre Jacke hinter sich auf die Bühne. Nach einem griechischen Folkloremusik-Intermezzo präsentiert sich etwas später die Tanzgruppe des ebenfalls griechischen Kulturvereins „Pontos“ in prächtigen Trachten. Die Sonne glänzt auf den vergoldeten Kostümen der jungen Tänzerinnen und Tänzer.

Während einige Zuschauer sich auf die Musik konzentrieren, sind Menschen aller Altersgruppen und Herkunftsländer in angeregte Gespräche vertieft oder schlendern entspannt über den Platz unter den Kirschblüten. Viele freuen sich, endlich mal in Ruhe mit ihren Nachbarn reden zu können. Die Entscheidung zwischen türkischen Salaten, griechischen Souvlaki-Spießen und deutschem Streuselkuchen scheint nicht leicht zu fallen. Ein mögliches Entscheidungskriterium ist dabei natürlich die Schlangenlänge vor den Ständen. Als Pausenfüller gibt es zum Glück den Bierstand, der selbstverständlich Krefelder Bier ausschenkt, auch wenn die Wagenbeschriftung Herforder Pils verspricht. Auf dem vorderen Platzteil haben währenddessen Künstler der Malgruppe „Buntes Atelier im Hanseanum“ ihre Staffeleien aufgestellt.

Nachdem Charlie Niessen das Publikum mit Gitarrenmusik und deutschen Liedern erfreut hat, besteigt am späten Nachmittag die Schmackes Brass Band die Bühne und lässt ihre Dixieland-Musik durch die Straßen rund um den Festplatz schallen. Zwischendurch wird es mit einer Bauchtanzvorführung noch einmal orientalisch. Jetzt wo ein großer Teil des Platzes im Schatten liegt, wird es langsam leerer. Doch einige Besucher haben solch einen Spaß auf dem „Alex“, dass sie einfach sitzenbleiben, als die Party offiziell beendet ist. Wer immer noch feierwütig ist, geht zusammen mit einigen Musikern auf Kneipentour. Aus dem Zusammentreffen von Partybesuchern und Stammgästen ergeben sich zum Teil kuriose Situationen: In der Gerberschänke zum Beispiel wollen sich Kartenspieler zuerst nicht von dem plötzlichen Besucherzustrom inklusive Trommlern irritieren lassen, können dem Rhythmus dann aber doch nicht widerstehen. In einer typisch deutschen Kneipe, die allerdings von Griechen geführt wird, gelingt es unter dem Einsatz von zehn Trommlern sogar, einen Automatenspieler aus seiner Versenkung zu locken.

Und das könnte auch das Fazit des gesamten Tages sein. Den Initiatoren des ersten Kirschblütenfest auf dem Alexanderplatz, allen voran der Bürgerverein Bahnbezirk, ist es gelungen eine Vielzahl von Menschen und Energien freizusetzen. Es war toll. Es hat Spaß gemacht. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Kein Wunder, dass Besucher aus anderen Stadtteilen wie Uerdingen oder Bockum gefragt haben, ob man so ein Fest denn nicht auch bei ihnen durchführen könnte. Aber gibt es da denn auch Kirschblüten?

Wer nun noch mehr Lust bekommt, die Impressionen dieses wunderschönen Nachmittags zu bestaunen, dem empfehlen wir das Video von einem unseser Pioniere “Micro Rebels” alias Jörg Sven Pispisa.

2 Responses to Frühjahrsputz mit Grillwürstchen

  1. Roland Boosen sagt:

    Guten Morgen, Herr Otterbein!

    Ihr Artikel hat diesen Tag sehr gut wiedergegeben! Die Bilderauswahl rundet ihn hervorragend ab! Im Namen meiner Vorstandskollegen vom Bürgerverein Bahnbezirk und der fleissigen Helfer aus der Nachbarschaft herzlichen Dank! Unser Dank geht natürlich auch an das Team von UNS!

    Roland Boosen
    (1. Vors. des BV Bahnbezirk 1898 Krefeld e. V.)

    • Michael Otterbein sagt:

      Vielen Dank für die Blumen, Herr Boosen. Ja ich fand, das Kirschblütenfest war eine sehr gelungene Veranstaltung. Ihnen und Ihren Kollegen vom Bürgerverein vielen Dank für die Initiative!
      Sonnige Grüße. Michael Otterbein

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