Foto: Sebastian Maaß, Copyright: UNS

Die Kolumne im April – Zu Tisch mit – Lena Junker – Pflanzaktivistin

Lena Junker war schon immer gerne an der frischen Luft. Bereits als Kind hat sie sich viel im riesigen Garten ihres Elternhauses in der Oppumer „Donksiedlung“ aufgehalten und dort sogar schon ihren eigenen Spielplatz gepflastert. „Ich war eine kleine Matschbäckerin“, erzählt die heute 28-Jährige lächelnd. Was lag da näher als nach der Schule ein freiwilliges ökologisches Jahr zu machen, anschließend eine Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin und sich jetzt als Pflanzaktivistin im Samtweberviertel zu engagieren.

Im Gartenbaubetrieb durfte Lena Junker dann fast jeden Tag im Freien arbeiten, und auch mit Pflasterungen war sie regelmäßig beschäftigt. Trotzdem stellte die Arbeit sie irgendwann nicht mehr zufrieden. „Mir fehlte die Sinnhaftigkeit, der Bezug zum Naturschutz und die Herstellung von Nahrung, die ich auf dem Biohof erlebt hatte. Im Gartenbau geht es vor allem um Wege, Mauern und Zierflächen“, erklärt sie die Entscheidung, ihren Arbeitsplatz aufzugeben. „Ich habe dann alle möglichen Varianten durchgespielt, bis hin zu einem Agrarwissenschaft-Studium in Arnheim, bis ich dann die Ausbildung am Haus Riswick gefunden habe. Das passt ideal für mich.“

An der Fachschule für Ökologischen Landbau in Kleve ist die junge Krefelderin nun auf dem Weg zur „Staatlich geprüften Agrarbetriebswirtin mit dem Schwerpunkt Ökologischer Landbau“.
Hier lernt sie viel über ökologischen Acker- und Pflanzenbau, Tierhaltung und vieles Weitere. Ein wichtiger Teil der Ausbildung sind auch Praxisprojekte, wie das, was Lena jetzt im Samtweberviertel umsetzt. „Ich wohne seit einiger Zeit auf der Tannenstraße und habe die Aktivitäten rund um die Samtweberei von Anfang an verfolgt“, so Lena. „Da war es für mich klar, dass ich mein Projekt hier starte. Außerdem interessiert mich das Thema ‚Urbanes Grün‘ schon lange.“

 

 

 

In ihrem Ausbildungsprojekt darf sich Lena wieder als „Matschbäckerin“ betätigen. Sie baut jetzt nämlich Pflanzkübel aus Torfbeton, bei dem Zement mit Torf und Lava gemischt wird. In die Kübel werden dann fünf Apfelbäume gepflanzt, die Lena für 30 Prozent des normalen Preises bei der Meerbuscher Baumschule Wantikow bekommen hat. „Die Bäume stehen hinterher im Emmaus-Garten und im Hof der Samtweberei“, sagt die Junggärtnerin. „Bei Emmaus helfe ich zusätzlich, fünf Gemüsebeete anzulegen. Das ist als Hilfe zur Selbsthilfe gedacht. Die Beete sollen nachher von der Emmaus-Gemeinschaft und den Besuchern des Tagestreffs gepflegt werden. Und ich bin echt überrascht, wie viele sich bei Emmaus mitreißen lassen und von Anfang an mitmachen.“
Das Bauen mit Torfbeton hat Lena auch auf dem Kirschblütenfest am 23. April demonstriert. Zusammen mit kleinen und großen Helfern baute sie einen großen, runden Pflanzkübel, der innerhalb von 28 Tagen aushärtet. Drei von diesen Kübeln werden zukünftig in der Samtweberei stehen. Auf dem Alexanderplatz hat sie auch ein weiteres Lieblingsprojekt, die „Blumeninvasion für ein buntes Krefeld“ vorgestellt. Um die „Invasion“ voranzutreiben, wurden kleine, braune Samenbälle hergestellt und gegen Spende abgegeben, in der Hoffnung, dass die „Bällekes“ an vielen Stellen der Seidenstadt ihre
Arbeit tun und die Stadt prächtig erblühen lassen.

Gärtnerische Pionierarbeit hat Lena Junker auch im Hof ihres Wohnhauses geleistet: „Unser Hof sah früher ziemlich traurig aus“, berichtet sie. „Aber dann habe ich die anderen Mieter gefragt, ob sie mitmachen und wir haben den Hof zusammen mehrere Tage lang umgebaut.“ Jetzt verbirgt sich hinter einer Stahltür nahe dem Café Tannenstraße eine kleine grüne Oase, mit Gemüsebeet, jungen Obstbäumen und einem bequemen Korbstuhl zum Ausruhen nach getaner Arbeit. „Irgendwann möchte ich den Garten auch für andere Menschen öffnen“, erklärt Lena. „Die Leute sollen sehen, was man aus einem grauen Hinterhof alles machen kann. Ich finde, Urban Gardening, das Gärtnern in der Stadt, ist ein ganz wichtiger Zukunftstrend, und ich kann mir auch gut vorstellen, später in diesem Bereich zu arbeiten – zum Beispiel im Auftrag einer Stadt oder bei der Anlage von Schulgärten.“ Im Sommer 2017 wird Lena ihre Ausbildung zur Agrarbetriebswirtin voraussichtlich beendet haben. Wir sind sehr gespannt, wo sie ihren „grünen Daumen“ anschließend einsetzen wird.

Fotos: Sebastian Maass

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