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Wir sind ein Haufen Glückspilze!

Ein Projekt inspiriert von der amerikanischen Meeresforscherin Sylvia Earles und ihren Unterwassererlebnisen.

In ihren Büchern berichtet sie von den Wundern in unseren Ozeanen. Dieses Thema nahmen sich Andrea Crusius und die 19 Teilnehmer zwischen 5 und 11 Jahren in ihrem biografischen Tanztheater vor, um ihre ganz eigene Interpretation vom Leben unter Wasser darzustellen.

Die 19 Teilnehmer nehmen verbindlich an diesem Kurs teil. Sie sind sehr unterschiedlich, einige spielten schon Theater und andere nicht, manche konnten zu Beginn noch kein Deutsch. Die Kinder proben seit März 2016 für ihre Premiere im Mai 2017. 

Es ist nicht üblich, dass ein Stück so lange geprobt wird doch Andrea Crusius erklärt mir die Vorteile: „Am Anfang der Proben ist es aufregender Spaß für die Kinder, doch zum Ende hin müssen alle diszipliniert arbeiten. Die Kinder müssen alles genau kennen, wenn sie auf der Bühne stehen, vor Publikum, dann sollen sie das drauf haben. Das brauchen sie für sich selber in der realen Situation.“ Die lange Vorbereitungszeit ermöglicht den Kindern zusätzlich die Gelegenheit sich zu entwickeln. „Der Lernprozess bekommt eine höhere Qualität, denn je nach Kind brauchen die einen länger als andere. In diesem Zeitraum bleibt genug Zeit für alle, um auf den gleichen Stand zu kommen. Keiner wird zurück gelassen. Hinzu kommt, dass die Ansprüche der Kinder mit der Zeit steigen. Sie wollen nach erreichten Ziele gleich neue hinzufügen.“

Bevor die Kinder das Stück planten, sollten sie sich zuerst mit dem Thema der Unterwasserwelt auseinandersetzen. Eine besonders interessante und ergiebige Übung war das Schreiben von Knopfgeschichten. Jedes Kind durfte sich zwei Knöpfe aussuchen. Einen, den sie schön finden und der ihnen gefällt und einen, den sie überhaupt nicht gut finden. Dann sollten sie Verben zu den Knöpfen finden und im Anschluss schrieben sie Geschichten mit diesen Verben. Entstanden sind skurrile, verrückte und zauberhafte Geschichten, die einen Teil des Stückes bilden. Diese Geschichten werden von den Kindern in einem Schattenspiel umgesetzt. Zeit und Mühe steckten die kleinen Schauspieler in den gesamten Ablauf des Stückes. Sie hielten ihre Ideen auf einer Tapetenrolle fest, diese wird weiter bestückt und mit Skizzen und Notizen versehen.

Einen kleinen Ausblick auf die fantasievollen Knopfgeschichten wollen wir vorab als Appetitanreger jetzt schon veröffentlichen: 

Von Roi

So tief unter dem Meer, lebte ein Tier. Das war klein und hatte vier Beine. Eines Tages traf es einen bösen Käfer. Der war sehr hässlich und dunkel. Er suchte Holz, Schönheit und eine Metallflagge. Er fand auf der Erde eine langsame, schöne, vierbeinige dicke Käferfrau. Auf einmal kam ein lauter Krach. Die Käferfrau schrie. In letzter Sekunde zog der Böse Käfer sie in eine große Höhle. Der Käferchef sagte:“ Die Käferfrau und der Böse Käfer sind jetzt Mann und Frau.

Von Lena

Tief unter dem Meer lebte ein Gott. Er hatte weiße Augen, meditierte jeden Tag und konnte hypnotisieren. Da sah er eines Tages ein hässliches Brot. Es war aus Leder, dunkelbraun, rund und hatte ein Kreuz darauf. Der Gott nahm es mit nach Hause und verwandelte es in ein blauweißes indisches Brot. Von nun an machten sie alles zusammen. Sie aßen Brötchen und meditierten zusammen. Es war alles schön und nicht verdorben.

Die Teilnehmer brauchten nicht viel Zeit sich untereinander zu verständigen, obwohl Sprache nicht immer das erste Kommunikationsmittel sein konnte, denn einige Kinder sprachen zu Anfang kaum Deutsch. Andrea Crusius mischte die Gruppen, damit sie sich gegenseitig helfen können. So funktioniert Integration. „Einige der Kinder können sich sprachlich noch nicht beteiligen, deshalb kommunizieren sie mehr über Gesten und bereichern damit das Team und das Stück. Die Welten mischen sich.“ Bei der Erarbeitung der Inhalte versucht Andrea auf die Talente jedes einzelnen Kindes einzugehen und diese in den Ablauf zu integrieren. „Wir arbeiten mit den Ressourcen der Kinder. Manche Kinder können unheimlich gut Geräusche nachahmen, Choreographien lernen oder Organisieren. Das nutzen wir alles für das Stück.“ Das Stück wird durch den Einsatz der Kinder immer komplexer und ausgefeilter, auch weil sie Zeit haben Inhalte zu betrachten und anzupassen. Sie lernen jeden Bereich des Stückes kennen und gestalten es fast ganz alleine. Hört man den Kindern zu, versteht man nicht viel, denn sie entwickeln eine eigene Sprache, eigene Ausdrücke und Namen.

Die Premiere des Stückes wird im Südbahnhof Krefeld uraufgeführt. Das Bühnenbild wird über einen Beamer auf die Wände projiziert. Die Kinder und Andrea erarbeiteten eigene Illustrationen mit Tusche und Ölkreide. Eine ganz eigene Unterwasserwelt. Die Aufführung findet auf der ganzen Länge der Räumlichkeiten statt. Am großen Tag wird es keinen Vorhang geben und hinzu spielen  sie auch noch auf mehreren Bühnen. Alles muss synchron ablaufen. Alle reagieren auf alle. Um so ein Stück stemmen zu können, muss alles sitzen, umso besser, dass die Kinder über ein Jahr darauf hinarbeiten können. Einmal die Woche proben sie die Choreographien, die sie selbst entwickelt haben, drei Stunden lang. Sie üben sich in der Erzeugung von Meeresgeräuschen, getanzten Alltagsgesten, Abläufen und Tanzeinlagen. Ich hatte Gelegenheit bei einer der Proben dabei sein zu dürfen und kann versprechen, dass es eine beeindruckende und aussergewöhnliche Aufführung sein wird.

Geräusche… sie verteilen sich im Raum und legen sich auf den Boden. Dann höre ich Meeresrauschen, Wellen, Delphine und Möwen. Auf einmal stehen sie auf und laufen los. Sie tanzen den Robot. Auf ein unausgesprochenes Stichwort bewegen sie sich als wären sie schwerelos. Sie spielen Astronauten im Weltalt, oder eben als wären sie unter Wasser.

Gesten… sie stellen sich in eine Reihe, bilden eine Linie. Eines der Kinder tritt vor und legt das Gesicht in seine Hände, dabei beugt es sich nach vorne. Nachdem sie sich zurück in die Reihe stellt, treten die anderen vor und ahmen ihre Geste alle gleichzeitig nach.

Das nächste Mädchen tritt vor und macht ihr eigene Geste, die anderen ahmen nach. Einer nach dem anderen zeigt seine Botschaft.

Ich möchte nicht zu viel verraten, aber soviel sei gesagt: Es macht auf eine tiefe und verwunderliche Art Freude sich diese Abläufe anzusehen und ich freue mich sehr auf die Premiere. Ihr alle solltet dabei sein! Wir sind Glückspilze, weil die Kinder sich so viel Mühe geben, um uns im Mai zu unterhalten. Mein Dank gilt Andrea Crusius und ihrem jungen Ensemble.

 

Theater & Tanzprojekt: In Kooperation mit der BI Rund um St. Josef, der Villa K. gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW und der Nachbarschaft Samtweberei. 

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