Foto & Copyright Richard Grüll

Ein Wort spukt durch das Viertel: Gentrifizierung.

Aktuell tauchen Aufkleber in den Straßen rund um die Alte Samtweberei auf, die im Samtweberviertel „Gentrifizierungsbestrebungen bürgerlicher Vereine“ beklagen.

Gentrifizierung ist bundesweit ein Reizwort geworden, das – oft berechtigte – Ängste vor Aufwertung, Verteuerung des Wohnens, Verdrängung und den Verlust gewachsener Nachbarschaften schürt. Aber passiert das auch in unserem Viertel in Krefeld und besteht hier Anlass zur Sorge? Und hat das was mit Müll zu tun?

Wir wollen uns der kritischen Frage stellen und gerne nach den Sommerferien zu einem offenen Diskussionsabend laden. Wenn Sie Interesse daran haben oder Fragen, Anregungen, Befürchtungen zu diesem Thema, können Sie uns dies schon jetzt über die Kommentarfunktion oder info@samtweberei.de mitteilen. Über Datum und Ort werden wir Sie rechtzeitig informieren.

Das Viertel bleibt bunt.

Teile diesen Beitrag:

5 Responses to Ein Wort spukt durch das Viertel: Gentrifizierung.

  1. Reiner Gropp sagt:

    Liebe Freunde von der AntiBah (- oder warens gar die Teutsch-Nationalen? – ),
    kommt doch einfach mal bei den vielen Aktionen, welche in unserem Viertel stattfinden vorbei und sagt den Teilnehmern (bürgerlich oder maoistisch, mit und ohne Migrationshintergrund, Arbeitslose und Selbstständige, Mieter und Vermieter, Fahrradfahrer, Busfahrer oder BMW-Fahrer) doch Eure Meinung.
    Dann könntet Ihr was erfahren.
    Schäbig finde ich, die Ergebnisse der Aktionen der Bewohner unseres Viertels mit Eurem revolutionären Aufkleber zu zerstören.
    Dess demnäxxt. Reiner

  2. Baums sagt:

    Wer Angst „vor Aufwertung, Verteuerung des Wohnens, Verdrängung und den Verlust gewachsener Nachbarschaften“ hat, weil Kotze, Kacke, kaputte Bierflaschen, vollgepisste Matrazen usw. auf Bürgersteigen und Straßen verschwinden sollen, ist ne ganz arme Sau. Wahrlich Grund genug, der Einladung von Reiner zu folgen.
    Jürgen

  3. Martin Schiffmann sagt:

    Hallo Reiner,

    wir beide kennen uns schon lange genug und ich teile Deine Kritik, dass das Anbringen von anonymen Aufklebern sicherlich eine der provokativsten Art der Sachkritik darstellt und auch ich in dieser Form nicht befürworten kann: Denn eine solche Aktion konterkariert ganz bewußt die velseitigen Bemühunhgen, die Südweststadt (= Josefsviertel) aufzuwerten. Auch ich habe es begrüßt, dass die Bonner Montag-Stiftung in Kooperation mit der Stadt Krefeld die alte Scheibler´sche Samtfabrik als Keimzelle für eine Stadtteilerneuerung genutzt hat, sowie die Stiftung aktuell ein neues Prrojekt in Halle an der Saale anschiebt.

    Aber als Anwohner dieses Viertel stelle ich auch fest, dass Ihr doch manchmal etwas über das Ziel hinausschießt und sich doch eine Reihe von Viertelbewohnern „nicht mitgenommen “ fühlt:

    Da wäre zunächst einmal der Name „Samtweberviertel“, mit dem auch ich mich nicht anfreunden kann.
    Ich bin in Krefeld aufgewachsen und kenne das Viertel als „Josefsviertel“, bezogen auf das imposante Kirchenbauwerk an der Rossstraße. In einem „Samtweberviertel“ möchte ich nicht wohnen, denn das assoziiert recht schnell Vergleiche mit dem Seidenweberviertel im benachbarten St. Tönis – einem Neubauviertel für damals mittlere und höhere Einkommensschichten, die vor allem aus Krefeld dorthin zogen. Mich stört schon, dass eine Handvoll Einwohner meint, hier einen neuen Viertelnamen kreieren zu müssen, ohne das eine großflächige Beteiligung der bereits dort lebenden Bürger stattgefunden hat.
    Damit hat sich nach außen hin betrachtet bereits eine Art „Viertel im Viertel“ gebildet, die viele (auch ich) sich so nicht gewünscht haben. Du bist auch lange genug im „Geschäft“, als dass Du nicht wüstest, dass es stets ein schwieriges Unterfangen bleibt, in einem so bunten Viertel wie dem Josefsviertel die betroffenen Bürger zu Versammlungen, Diskussionen, Runden Tischen, Bürgerfesten etc. zu bewegen, um großflächig „Stimmungslagen“ im Viertelauszuloten. Auch die Macher der Aufkleber sehe ich im Spektrum jener Bürger, die Ihr nicht (mehr) erreicht – schade eigentlich.

    Reizwort „Gentrifizierung“: Jaaaaaa, sie findet leider mittlerweile rund um die Josefskirche statt, genauer gesagt beobachte ich diese unschöne Entwicklung schon seit ca. 2014. Es fing eigentlich ganz unscheinbar und „harmlos“ an: Das erstmalige Auftauchen der Montagsstiftung und die Eröffnung des Pionierhaus scheinen dabei für mich die Initialzündung gewesen zu sein, die abgeschlossene Sanierung des Kaiser-Wilhelm-Museums, die Neupflasterung der Neusserstraße bzw. Gladbacherstraße, die fußläufige Erreichbarkeit der Innenstadt (Hochstraße), die geplante Verkehrsberuhigung auf dem Westwall usw. scheinen den Bereich zwischen Ring, Marktstraße, Westwall, Südwall und Neusserstraße zunehmend atraktiv für Wohn-Investoren zu machen, die hier bis jetzt ausschließlich bezahlbaren Wohnraum für mittlere bis höhere Einkommenschichten planen und bauen. Zunächst waren es Krefelder Unternehmer, die aufgrund der schon länger anhaltenden Zinskrise ihr Kapital lieber in heruntergewirtschaftete Gründerzeitbauten steckten (neudeutsch auch „Betongold“ genannt“). Die Immobilien in meiner Nachbarschaft wurden hervorragend saniert – dumm nur, dass die vorher dort wohnenden Studenten und „kleinen Leute“ dort nicht mehr wohnen können, weil für sie schlichtweg zu teuer.

    Anderes Beispiel: Derzeit wird im Viertel ein großer, zentral gelegener Wohnblock abgerissen Der Eigentümer , ein bekannter Krefelder „Immobiliensammler“, plant im Neubau keine Mietwohnungen mehr, sondern ausschließlich hochwertige Eigentumswohnungen.Sowas nenne ich Gentrifizierung in Reinstform.

    In Nebenstraßen , die eigentlich nicht zur „bevorzugten Wohnlage“ gelten, wechseln seit ca. 4 Jahren die Immobilien in ortsfremde Hände. Einschlägige Immobilien-Gurus empfehlen seit ca. zwei Jahren, Immobilien in Krefeld zu erwerben, weil Düssseldorf zu teuer ist und Krefeld als zukünftiger Vorort von Düsseldorf angesehen wird.

    Lieber Reiner, auch wenn Du und Deine Mitstreiter es vielleicht verneinen werdet, der Gentrifizierungsprozess im Josefsviertel hat bereits begonnen, nach außen hin für die meisten vielleicht noch im verborgenen, aber erste Betroffene dieses Wandels gibt es bereits. Die Frage ist nur:

    Hat das Viertel angemessene Antworten auf diesen Veränderungsprozess (ich sollte ehrlicherweise von „Verdrängungsprozess schreiben) oder lassen wir es zu, dass „Immobilien-Heuschrecken“ als Trittbrettfahrer auf den Zug der Veränderung aufspringen und die Früchte des von Euch und vielen anderen ehrenamtlichen geleisteten Engagement ernten?

    Eins ist aber auch klar: Mit dem Anbringen von Aufklebern mit populistisch-polemischen Sprüchen erreiche ich als Kritiker rein gar nichts.

    Grüße aus dem Viertel

    Martin

  4. Peter Meyer sagt:

    „Gleichzeitig wünschen wir uns einen Aufbau West der es ermöglicht die einst, reichste und schönste Stadt Krefeld zum Teil wieder so herzustellen wie zum Beispiel Dresden.Also liebe Millionäre, Millardäre und sonstige Superreichen.Wenn Sie nicht wissen wohin mit Ihrem Reichtum schaffen Sie eine entsprechende Stiftung und investieren Sie in den Wiederaufbau von Krefeld.“
    https://www.youtube.com/watch?v=TpPXRPchIdA

  5. Martin Schiffmann sagt:

    Hallo Herr Meyer,

    Ihr verlinktes Youtube-Filmchen ist leider eine verkappte Werbesendung, „dank“ eines eingeblendeten Werbe-Laufbandes kommt die Fassadengestaltung der Gründerzeithäuser kaum zur Geltung. Übrigens besteht das Josefviertel nicht nur aus den Gründerzeithäusern entlang der Tannenstraße.

    Leider ist Krefeld auch nicht mit Dresden gleichzusetzen, der Wiederaufbau von Krefeld ist seit 1943 nur Stückwerk und individuelle Schuhflickerei geblieben.Schauen Sie sich doch nur einmal die Rheinstraße oder Hochstraße genauer an: Viele Häuser haben max. Erdgeschoss und 1. Etage, dann kommt ein Flachdach und Schluß ist. Auf eine Stiftung für den planvollen Wiederaufbau der Krefelder Innenstadt warte ich auch schon seit Jahren , jetzt müssen wir aber ersteinmal den städt. Planungsderzenten Martin Linne und seine Visionen „überstehen“.

    Grüße aus dem Viertel

    Martin Schiffmann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »